34. FANTASY FILMFEST – 5 Tage – 21 Filme – 7 Städte (9.9.–27.9.2020)

 

Berlin

09.–13.09.

Frankfurt

09.–13.09.

Hamburg

16.–20.09.

Köln

23.–27.09.

München

16.–20.09.

Nürnberg

16.–20.09.

Stuttgart

23.–27.09.

 

Mit jeweils einem Klick landet ihr auf dem Zeitplaner der Stadt.

 

DINNER IN AMERICA

Regie: Adam Rehmeier / USA 2020 / 106 Min.

Darsteller: Emily Skeggs, Kyle Gallner, Nick Chinlund, Pat Healy

Produktion: Ben Stiller, Bull Blumenthal, Stephen Braun

DINNER IN AMERICA

Erwachsen werden heißt, sich der Gesellschaft zugehörig zu fühlen und akzeptiert zu werden für das, was man ist: ein individuelles Wesen. Simons (Kyle Gallner) und Pattys (Emily Skeggs) Leben bedeutet hingegen, tagtägliche Demütigung zu erfahren. Die konservative Provinz im Mittleren Westen hat für die beiden anscheinend keinen Platz. Simon, ein Draufgänger, Drogendealer und Sänger einer Punkband, lebt sein Leben ganz im Sinne des Nihilismus. Probleme mit der Polizei und Auseinandersetzungen mit Menschen in seinem Umfeld bestimmen seinen Tagesverlauf. Pattys Leben hingegen spielt sich im Verborgenen ab. Ihr unscheinbares Auftreten wird zum Gegenstand des permanenten Spotts. Ihre einzige Flucht aus der Erniedrigung findet sie in der Punkmusik. Als eines Tages Simon wieder vor der Polizei flüchten muss, ist es Pattys naive Art, die beide, so unterschiedlich sie wirken, zueinander führt. Was als Mittel zum Zweck beginnt, wandelt sich zunehmend zu einer romantischen Liebesgeschichte, in der Unterschiede viele Gemeinsamkeiten haben. Die erst zweite Regiearbeit von Adam Rehmeier lebt von einer äußerst glaubwürdigen und zugleich bizarren Inszenierung, in der die filmischen Kontraste sowie die beiden Protagonisten perfekt harmonieren. Die ersten 20 Minuten lassen den Zuschauer noch am Konzept zweifeln, alles wirkt überdreht und erinnert an nicht verwendete Szenen aus dem Film NAPOLEON DYNAMITE. Übersteht man diese Hürde, entfesselt der Film sein eigentliches Potenzial: das Zusammenspiel von Emily Skeggs und Kyle Gallner. Die Leichtigkeit ähnelt A STAR IS BORN, was auch an einer der schönsten Musiknummern der vergangenen Jahre liegen kann. DINNER IN AMERICA ist skurril und warm zugleich, urkomisch und gleichzeitig gesellschaftskritisch, Punkfilm und romantische Komödie in einem. (OLAF KUZNIAR)

Punk-RomCom. Skurril und herzlich.

 

BREAKING SURFACE

Regie: Joachim Hedén / Norwegen, Schweden, Belgien 2020 / 82 Min.

Darsteller: Moa Gammel, Madeleine Martin

Produktion: Jonas Sörensson, Julia Gebauer

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In vielen Genres hat sich der schwedische Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Joachim Hedén bereits bewiesen, doch mit seinem neuen Werk BREAKING SURFACE betritt er Neuland, stellt die Geschichte doch seinen ersten Ausflug ins Thrillergenre dar. Dem Thema seiner Vorgängerfilme, zerbrochene oder gestörte menschliche Beziehungen, bleibt er dennoch treu und lässt seine zwei Hauptfiguren in einer Extremsituation wieder zueinanderfinden.

 Im Zentrum stehen die Schwestern Ida (Moa Gummel) und Tuva (Madeleine Martin), die wie in jedem Winter gemeinsam auf eine Tauchtour gehen. Als es über ihnen zu einem Steinschlag kommt, ist Tuva am Boden des Sees eingequetscht, und nun liegt es an Ida, ihrer Schwester zu helfen sowie ihr Kindheitstrauma zu überwinden, dass sie Tuva einmal im Stich gelassen hat. Viel Zeit bleibt ihr nicht, denn jeder Tauchgang zehrt an ihren Kräften, und zudem geht ihrer Schwester langsam, aber sicher die Luft aus.

 Die Weite der Natur ist trügerisch, wird sie doch für die beiden Figuren des Films zu einer gefährlichen Falle, die sie und ihre Beziehung auf eine harte Probe stellt. Das minimale Setting optimal nutzend, erzählt Hedén von einem spannenden Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Angst zu versagen, wobei er sich insbesondere auf seine zwei tollen Darstellerinnen verlassen darf, die ihre Rollen als Schwestern, die sich schon seit langer Zeit fremd geworden sind, sehr glaubhaft spielen, denn eigentlich erzählt Hedén eine Familiengeschichte über verlorenes Vertrauen, über Ängste und darüber, was es heißt, für den anderen da zu sein.

 BREAKING SURFACE ist ein sehr spannender Beitrag zum Genre Survivalthriller, der mit guten Darstellern sowie guten, glaubwürdigen Dialogen aufwarten kann. Als Zuschauer fiebert man jede Sekunde mit diesen zwei Frauen mit, die gegen die Zeit und die eigenen Ängste ankämpfen müssen. (Rouven Linnarz)

 Spannender, intensiver Kampf ums Überleben

 

AMULET

Regie: Romola Garai / Großbritannien, Vereinigte Arabische Emirate 2020 / 99 Min.

Darsteller: Carla Juri, Alec Secereanu, Imelda Staunton, Anah Ruddin, Ageliki Papoulia

Produktion: Maggie Monteith, James Wilkinson

AMULET

 

 Bereits im Januar durfte das Regiedebüt der englischen Schauspielerin Romola Garai auf dem Sundance Festival Premiere feiern und ist nun Teil des Line-ups für das diesjährige Fantasy Filmfest. Im Zentrum der Handlung von AMULET steht Tomas (Alec Secereanu), ein Ex-Soldat, der seine Erlebnisse aus dem Krieg am liebsten so schnell es geht vergessen würde und in England ein neues Leben beginnen will. Als man ihm das Angebot macht, in der Wohnung von Magda (Carla Juri) und ihrer kranken Mutter einzuziehen und im Gegenzug bei einigen Arbeiten am Haus zu helfen, nimmt Tomas sofort an. Ihr Heim ist nicht gerade im besten Zustand, denn überall zeigen sich Schimmel und Moder, was jedoch noch lange nicht das schlimmste Problem ist, denn Tomas findet heraus, dass Magda von ihrer Mutter misshandelt wird. Bei der Reparatur der Toilette im Haus findet er eine abscheulich aussehende Kreatur und kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur, denn Magdas Mutter ist alles andere als krank, sie scheint vielmehr mit bösen Mächten in Kontakt zu stehen.

 AMULET erzählt eine Geschichte, die mit vielen Verweisen auf Mythen und Sagen arbeitet, doch vor allem von Schuld, Kriegstrauma und dem Versuch, sich selbst zu verzeihen, berichtet. Während die erste Hälfte sich vor allem der Beziehung Magdas zu Tomas widmet, vor allem seinen Erlebnissen aus dem Krieg, entwickelt sich AMULET in der zweiten Hälfte zu einem mit vielen Ekel-Effekten ausgestatteten Horrorstreifen. In Zusammenarbeit mit Kamerafrau Laura Bellingham inszeniert Garai die Räume des Hauses als zunehmend klaustrophobisch wirkendes Gefängnis, eine Falle, aus der die Figuren nicht mehr entkommen können. Neben atmosphärischem Grusel darf sich der Zuschauer aber zudem über tolle Darsteller freuen, von denen vor allem die aus BLADE RUNNER 2049 oder FEUCHTGEBIETE bekannte Schweizerin Carla Juri zu überzeugen weiß als eine junge Frau, deren Naivität trügerisch sein kann. Übrigens könnt ihr Näheres über die Entstehung von AMULET im DEADLINE-Interview mit Romola Garai in der 83. Ausgabe erfahren. (Rouven Linnarz)

 Atmosphärisch und schauspielerisch überzeugend

 

DANIEL ISN’T REAL aka DER KILLER IN MIR

Regie: Adam Egypt Mortimer / USA 2019 / 100 Min.

Darsteller: Miles Robbins, Patrick Schwarzenegger, Sasha Lane, Mary Stuart Masterson

Produktion: Daniel Noah, Lisa Whalen, Elijah Wood

Daniel isn't real

 

Am Tatort eines Amoklaufs steht der achtjährige Luke schockiert vor einer Leiche. Dort trifft er auch Daniel. Der imaginäre Freund wird schnell zu seinem Spielkameraden und Vertrauten, doch er hat eine düstere Seite. Als Luke von Daniel angestiftet beinahe seine Mutter umbringt, schließt er den Störenfried an einem symbolischen Ort weg. Ruhe kehrt ein in Lukes Leben, er wird älter, geht aufs College. Doch etwas treibt ihn um. Also schlägt sein Psychiater vor, in seiner Vergangenheit nach Lösungen zu suchen. Luke befreit Daniel, und dieser schleicht sich erst verführerisch, dann immer bedrohlicher zurück in Lukes Leben. Und „imaginär“ reicht ihm nicht.

Regisseur Adam Egypt Mortimer haucht einem alten Topos wieder Leben ein. Wo sein Erstling SOME KIND OF HATE nicht so recht zu einem Ganzen wurde, ordnet Mortimer diesmal die Erzählung konsequent seiner Prämisse unter und lässt sich Zeit, seine Figuren zu entfalten. So baut er eine immense Spannung auf und liefert mit DANIEL ISN’T REAL einen verstörenden, enorm stimmigen Psychohorror ab. Die wenigen Effekte sind ungewohnt in ihrer Art und meist überraschend eingesetzt. Hervorzuheben ist zudem die exzellente Arbeit von Kameramann Lyle Vincent, dessen Licht in den Innenräumen ein konstantes Unwohlsein verursacht. Unterstützt wird dieses Gefühl vom scheißverstörenden Score des Briten Clark, der ab der ersten Minute gekonnt auf den Nerven des Zuschauers herumtrampelt.

Bemerkenswert ist, dass beide Schauspielsprösslinge keine Sekunde ein Gefühl von „Na ja, der Sohn von …“ aufkommen lassen. Patrick Schwarzenegger macht seine Sache als älterer Daniel gut, verharrt zwar manches Mal zu sehr in der Pose des Augenrollens, weiß aber stets Angst einzuflößen, wenn es darauf ankommt. Miles Robbins hingegen, Sohn von SHAWSHANK-Legende Tim Robbins, bringt als Luke diesen Film wahrhaft zum Leuchten und empfiehlt sich vor allem im letzten Drittel ausdrücklich für Höheres. (Timo Landsiedel)

 Verstörend stimmiger Psycho-Body-Horror

 

 

BECKY

Regie: Jonathan Milott, Cary Murnion / USA 2020 / 93 Min.

Darsteller: Lulu Wilson, Kevin James, Joel McHale, Robert Maillet, Amanda Brugel, Ryan McDonald, John McDougall u. a.

Produktion: Jordan Beckerman, Jordan Yale Levine, J. D. Lifshitz, Raphael Margules, Russ Posternak

BECKY

 

Das Leben macht der 13-jährigen Becky alles andere als Spaß. Vor Jahresfrist hat ihre Mutter den Kampf gegen den Krebs verloren, was bis heute an dem pubertierenden Teenager nagt, in der Schule ist sie eine Außenseiterin, und zu allem Überfluss schleppt sie ihr Vater nun auch noch mit auf einen Wochenendausflug ins familieneigene Haus am See. Dort angekommen, werden die Dinge nicht besser, als die neue Liebschaft ihres Vaters auftaucht und dieser Becky eröffnet, dass er wieder heiraten will. Etwa zur gleichen Zeit brechen ein paar besonders schwere Jungs aus einem Gefangenentransport aus und machen sich schnurstracks auf den Weg zu eben jenem Haus am See, da der Anführer der Gang dort vor Jahren etwas versteckt hat. Beckys Wochenende nimmt eine weitere Wendung hin zum Schlechten und verwandelt sich in ein blutrünstiges Katz-und-Maus-Spiel …

Was hier als relativ harmloses Coming-of-Age-Drama aus der Serie „Alles schon einmal dagewesen“ beginnt, entwickelt sich schnell zu einem fiesen Home-Invasion-Thriller mit knallharter Splatterkante! Lulu Wilson, die immer irgendwie aussieht, als könne sie kein Wässerchen trüben, macht in der Titelrolle eine rasante Metamorphose vom von Weltschmerz geplagten Teenager zur gnadenlosen Killer-Göre durch, die in allen Facetten überzeugt. Gleiches gilt für ihren Gegenpart, den eloquenten, sadistischen Ausbrecher Dominik, welcher von Kevin James so überzeugend gespielt wird, dass man als Zuschauer glatt vergisst, dass hier ein Comedystar (KING OF QUEENS, DER KAUFHAUS COP) am Werke ist! Abgerundet wird diese krude Mixtur schließlich durch eine ganze Breitseite von blutigsten Spezialeffekten, welche zwar nicht immer den physikalischen Naturgesetzen Folge leisten, dafür aber bei der Zielgruppe für deutlichstes Schenkelklopfen sorgen dürften! Unterm Strich macht dies alles BECKY zu einem absoluten Gewinner, und man darf schon gespannt sein, was das Regieduo Milott/Murnion als Nächstes aus dem Hut zaubern wird! (Elmar Berger)

 Kracher!

 

SPUTNIK

 

Regie: Egor Abramenko / Russland 2020 / 113 Min.

Darsteller: Oksana Akinshina, Pyotr Fyodorov, Fedor Bondarchuk, Anton Vasiliev

Produktion: Fjodor Sergejewitsch Bondartschuk, Wjatscheslaw Alexandrowitsch Murugow, Mikhail Vrubel, Murad Osmann, Ilya Stewart

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Das Böse lauert überAll: 1983, mitten im Kalten Krieg: Aus unbekannten Gründen stürzt ein sowjetisches Raumfahrzeug ab, und nur ein Astronaut (Pyotr Fyodorov) kehrt lebendig zur Erde zurück. Was ist nur passiert? Schnell wird klar, dass mit dem Astronaut Konstantin etwas nicht stimmt. Nach einigen Untersuchungen und Tests von Dr. Tatyana Klimova (Oksana Akinshina) in einer isolierten Militäreinrichtung gibt es eine Furcht einflößende Erkenntnis: Es ist noch etwas anderes, etwas Bösartiges, Grauenhaftes, mit dem abgestürzten Raumschiff auf die Erde gelangt …